Chronische Nierenerkrankung (CNE) bei der Katze

 

Die chronische Nierenerkrankung (CNE) gehört zu den häufigsten internistischen Erkrankungen der Katze. Schätzungen zufolge sind über 30 % der Katzen über 10 Jahre betroffen, bei Katzen über 15 Jahren sind es bis zu 80% der Tiere. Da Katzen klinische Symptome lange kompensieren, wird die Erkrankung häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Eine frühzeitige Diagnostik ist jedoch entscheidend, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität langfristig zu erhalten.

Klinische Symptome

Die chronische Nierenerkrankung entwickelt sich schleichend, die Symptome sind unspezifisch und werden daher oft dem Alter zugeschrieben.

  • Vermehrtes Trinken und vermehrter Harnabsatz

  • Gewichtsverlust trotz scheinbar ausreichender Futteraufnahme

  • Verminderter oder schwankender Appetit

  • Stumpfes, ungepflegtes Haarkleid

  • Nachlassende Aktivität, vermehrtes Schlafen

  • In fortgeschrittenen Stadien: Übelkeit, Erbrechen oder Maulgeruch

Diagnostische Aufarbeitung und Stadieneinteilung (IRIS-Klassifikation)

Stadieneinteilung nach IRIS

Die chronische Nierenerkrankung wird heute nach den Richtlinien der IRIS (International Renal Interest Society) in Stadien eingeteilt. Diese Einteilung ist Grundlage für Therapie, Monitoring und Prognose.

Eine vollständige Aufarbeitung umfasst:

Blutuntersuchung

  • Bestimmung der Nierenparameter (Kreatinin, SDMA, Harnstoff, FGF23)

  • Beurteilung des Hämatokrits (Anämie ist eine häufige Folge der CNE)

  • Elektrolyte (z. B. Phosphat, Kalium)

Blutdruckmessung

  • Arterielle Hypertonie ist bei nierenkranken Katzen häufig

  • Unbehandelter Bluthochdruck kann Augen, Gehirn, Herz und Nieren zusätzlich schädigen

Urinuntersuchung

  • Spezifisches Gewicht zur Beurteilung der Konzentrationsfähigkeit der Niere

  • Sedimentuntersuchung zum Ausschluss begleitender Harnwegsinfektionen

  • Bestimmung des Urin-Protein-Kreatinin-Quotienten (UPC) zur Erfassung einer Eiweißausscheidung über die Nieren

Bildgebung

  • Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnweg

    • Beurteilung von Größe, Struktur, Durchblutung

    • Ausschluss anderer Ursachen wie Obstruktionen oder Tumoren

Diese Untersuchungen ermöglichen nicht nur die Stadieneinteilung, sondern auch das frühzeitige Erkennen therapierbarer Begleitprobleme.

Therapie – individuell und stadiengerecht

Die chronische Nierenerkrankung ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Ziel ist es, das Fortschreiten zu verlangsamen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten. Die Therapie ist multimodal und umfasst Massnahmen um die Nieren zu entlasten und Begleitprobleme zu behandeln. Dazu gehören Fütterungsmanagement (Nierendiäten mit reduziertem Phosphor- und moderatem Proteingehalt), frühzeitige Appetitstimulation, Einsatz von Indol-Bindern und bei Bedarf Blutdrucksenker und Medikamente, die die Eiweißausscheidung über die Niere reduzieren. Im fortgeschrittenen Stadium kann die subkutane Flüssigkeitstherapie zu Hause sinnvoll sein, um Austrocknung vorzubeugen und die Ausscheidung nierenpflichtiger Substanzen zu verbessern.

Zudem müssen nephrotoxische Medikamente vermieden werden und bei notwendigen Narkosen ein individuell angepasstes Anästhesieregime eingesetzt werden.

Prognose

Die Prognose der chronischen Nierenerkrankung hängt maßgeblich vom Zeitpunkt der Diagnose, dem IRIS-Stadium, dem Vorliegen von Bluthochdruck oder Proteinurie und der Therapietreue ab. Eine gute Futteraufnahme hat oberste Priorität, Untergewicht und Inappetenz verschlechtern die Prognose deutlich.

Viele Katzen können bei konsequenter Betreuung über Jahre eine gute Lebensqualität behalten. Regelmäßige Kontrollen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierärztin und Besitzern sind dabei entscheidend.

Fazit

Die chronische Nierenerkrankung der Katze ist häufig, komplex und individuell – aber sie bietet viele therapeutische Ansatzpunkte. Eine strukturierte Diagnostik, stadiengerechte Therapie und eine auf die einzelne Katze abgestimmte Betreuung ermöglichen es, Lebenszeit und Lebensqualität deutlich zu verlängern.

Quellen

IRIS Guidelines https://www.iris-kidney.com/iris-guidelines-1

Sparkes AH, Caney S, Chalhoub S, et al. ISFM Consensus Guidelines on the Diagnosis and Management of Feline Chronic Kidney Disease. Journal of Feline Medicine and Surgery. 2016;18(3):219-239. doi:10.1177/1098612X16631234

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