Sodbrennen und Reflux

Sodbrennen (medizinisch: gastroösophagealer Reflux) bezeichnet das Zurückfließen von Magensäure oder teilweise verdautem Futter aus dem Magen in die Speiseröhre. Dadurch wird die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre gereizt, was zu Brennen, Schmerzen oder Entzündungen führen kann. Es handelt sich um ein häufig unterschätztes Leiden mit relevanter Auswirkung auf die Lebensqualität von Mensch und Tier.

Viele Menschen, die unter einer Refluxerkrankung leiden, kennen die Einschränkungen sehr gut: nächtliches Aufwachen durch Brennen hinter dem Brustbein, Hustenreiz im Liegen, Schmerzen, Schlafmangel und eine deutlich verminderte Lebensqualität.

Auch wenn Hund und Katze ihre Beschwerden nicht verbal äußern können, muss davon ausgegangen werden, dass chronischer Reflux und Sodbrennen bei Tieren mit vergleichbaren Beschwerden einhergehen. Umso wichtiger ist es, gastroösophageale Erkrankungen ernst zu nehmen und nicht als „harmloses Problem“ abzutun.

Prävalenz – wie häufig sind Reflux und Sodbrennen bei Hund und Katze?

Die exakte Prävalenz ist schwer zu erfassen, da milde oder intermittierende Verläufe häufig unerkannt bleiben. Studien und klinische Erfahrungen zeigen jedoch, dass Refluxerkrankungen bei Hunden häufiger diagnostiziert werden als bei Katzen, insbesondere bei:

  • brachyzephalen Hunderassen

  • Hunden mit chronischen gastrointestinalen Beschwerden

  • Tieren mit Motilitätsstörungen des Magens

Bei Katzen wird Reflux seltener diagnostiziert, vermutlich auch aufgrund subtilerer klinischer Symptome und einer generell späteren Vorstellung beim Tierarzt.

Klinische Symptome

Hunde mit Reflux zeigen häufiges Schmatzen, Leerschlucken, Aufstoßen, Würgen oder regurgitieren (Ausspucken von Futter ohne aktivem Würgen), Grasfressen, nächtliche Unruhe, vermehrtes Schlucken im Liegen, chronischer Husten oder Räuspern (insbesondere am Morgen), Inappetenz oder selektives Fressverhalten.

Typische Symptome bei der Katze sind Schmatzen, vermehrtes Schlucken, Übelkeit, gelegentliches Erbrechen, verminderte Aktivität, Futterverweigerung oder sehr langsames Fressen und Zähneknirschen (Bruxismus). Gerade bei Katzen werden diese Anzeichen häufig fehlinterpretiert oder übersehen.

Prädisponierte Hunderassen sind brachyzephale Hunde, also kurzköpfige Rassen (z. B. Französische Bulldogge, Mops, Englische Bulldogge), sie sind überproportional häufig betroffen. Durch die anatomisch bedingte Atemwegsobstruktion entsteht beim Einatmen ein starker negativer intrathorakaler Druck, der den gastroösophagealen Übergang belastet und Rückfluss von Magensäure begünstigt.

Dieser Mechanismus ähnelt funktionell dem Unterdruckmechanismus bei Wiederkäuern, bei dem durch Druckverhältnisse ein Rückfluss von Mageninhalt erfolgen kann.

Bei Golden Retrievern wurden in mehreren Studien eine gehäufte Prävalenz von Magenentleerungsstörungen beschrieben. Eine verzögerte Magenentleerung erhöht die Verweildauer des Mageninhalts und begünstigt somit Refluxereignisse.

Diagnostik – warum Abwarten oft der falsche Weg ist

Sollte ihr Tier passende klinische Symptome zeigen, ist weiterführende Diagnostik essentiell um einen langen Leidensweg zu ersparen. Viele der bei uns vorgestellten Tiere, haben schon zig erfolglose Futterwechsel und häufig mehrere Jahre Leidensweg hinter sich.

Empfohlene diagnostische Schritte sind eine gründliche Anamnese und klinische Untersuchung, Abklärung begleitender Erkrankungen (z. B. Atemwegserkrankungen bei brachyzephalen Hunden), Bildgebung (Ultraschall des Abdomens zur Beurteilung von Mageninhalt, Motilität, Begleiterkrankungen) und in ausgewählten Fällen eine Endoskopie von Ösophagus, Magen und Zwölffingerdarm.

Eine frühzeitige Diagnostik ermöglicht eine gezielte Therapie, statt monatelanger symptomatischer Versuche.

Therapie – individuell, multimodal und langfristig

Für die meisten Tiere ist eine Optimierung der Fütterung notwendig, wobei interessanterweise kein allgemeingültiges Schema existiert und die Bedürfnisse sehr individuell sind. Braucht der eine Hund ein kohlenhydratreiches Betthupferl, schläft der Andere besser wenn er keine späten Mahlzeiten erhält. Auch Konsistenz und Fettgehalt spielen eine Rolle. Insbesondere bei Therapiebeginn benötigen aber die meisten Tiere auch zusätzliche Medikamente, je nach Befund können das säurehemmende Medikamente, Prokinetika zur Förderung der Magenentleerung und/oder schleimhautschützende Substanzen sein.

Die Therapie sollte immer zeitlich begrenzt überprüft und angepasst werden. Zudem muss eine Behandlung begleitender Faktoren stattfinden, zum Beispiel Optimierung der Atemwegsfunktion bei brachyzephalen Hunden und Behandlung von Grunderkrankungen. Vermeidung von Medikamenten, die den unteren Ösophagussphinkter beeinflussen

Fazit

Sodbrennen und Reflux bei Hund und Katze sind häufiger als angenommen, werden jedoch oft zu spät diagnostiziert. Chronischer Reflux ist keine Bagatellerkrankung. Schlafstörungen, chronische Übelkeit und Schmerzen führen zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität – beim Menschen wie beim Tier. Eine frühzeitige, strukturierte Abklärung ist deshalb im Sinne des Tierwohls klar zu empfehlen.

Eine gezielte Therapie kann die Lebensqualität der betroffenen Tiere deutlich verbessern.

Quellen

  • Hall EJ, Simpson KW, Williams DA. BSAVA Manual of Canine and Feline Gastroenterology, 2nd ed.

  • German AJ et al. Disorders of gastric emptying in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine.

  • Mansfield CS. Gastroesophageal reflux in dogs and cats. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice.

  • Washabau RJ et al. Endoscopic evaluation of the esophagus and stomach in dogs. JVIM.

  • Ruelle L et al. Gastroesophageal reflux and brachycephalic airway syndrome. Veterinary Surgery.


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